
Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung
für diesen Monat Frau Dr. Eva Zebedin-Brandl aus Anlass der 2008 im Top-Journal
“Blood” erschienen Publikation „Leukemic challenge unmasks a requirement for
PI3Kdelta in NK cell-mediated tumor surveillance“ [8]. Die prämierte Arbeit
entstand in der Arbeitsgruppe „Experimentelle Hämato-Onkologie“ (Leitung:
Univ.-Prof. Dr. V. Sexl) des Pharmakologischen Institutes. Kollaborationspartner
waren Dr. R. Piekorz, Institut für Biochemie und Molekularbiologie II, Heinrich
Heine Universität/Düsseldorf, sowie die Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. P.
Valent, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Leiter der Arbeitsgruppe
Klinisch-Experimentelle Onkologie, MUW, Univ.-Prof. Dr. W. Pickl, Zentrum für
Physiologie und Pathophysiologie, Institut für Immunologie, MUW, und Dr. D.
Stoiber-Sakaguchi, Ludwig Boltzmann-Institut für Krebsforschung Wien. Frau Dr.
Zebedin-Brandl wurde für die prämierte Arbeit 2008 der Hans–Horst-Meyer Preis
der österreichischen Pharmakologischen Gesellschaft (APHAR)
verliehen.
Welche Zukunftsaspekte haben PI3K-delta-Inhibitoren als
Therapeutika für bcr/abl-induzierte Leukämien?
In der vorliegenden Studie
wurde die Bedeutung der PI3 (Phosphoinositol-3)-Kinase-delta-Isoform
(PI3K-delta) für bcr/abl-Onkogen (Breakpoint Cluster Region/Abelson)
-induzierte Leukämien untersucht. PI3-Kinasen sind zentrale Signalmoleküle der
Tumorentstehung und in vielen Tumoren aktiviert. Sie gelten als wichtige
Angriffspunkte neuer Therapeutika, der sogenannten
Signal-Interzeptoren.
Im Rahmen der Studie entdeckte Frau Dr.
Zebedin-Brandl, dass die PI3K-delta Isoform in humanen und murinen
bcr/abl-positiven Leukämien hoch exprimiert ist, während eine andere Isoform –
die PI3K-beta – nicht mehr vorhanden ist. Eine Hemmung oder ein Fehlen der
PI3K-delta Isoform führt in vivo zu einer signifikant verlangsamten
Leukämie-Entwicklung. Dieser Befund würde darauf hinweisen, dass PI3K-delta
Inhibition eine sinnvolle therapeutische Option für bestimmte Leukämieformen
darstellen könnte.
In weiterführenden Experimenten entdeckte jedoch Frau
Dr. Zebedin-Brandl, dass auch die zytotoxische Aktivität der natürlichen
Killerzellen (NK-Zellen) von PI3K-delta abhängt. Unter Zuhilfenahme
elektrophysiologischer Techniken entschlüsselte Frau Dr. Zebedin-Brandl auf
höchst originelle Weise den zugrunde liegenden Mechanismus. Sie zeigte, dass die
Entwicklung und Reifung der NK-Zelle von der PI3K-delta unabhängig ist, dass
aber die Degranulation, also das „Ausspucken“ der zytotoxischen Granula durch
PI3K-delta reguliert wird. Ohne PI3K-delta können NK-Zellen leukämische Zellen
nicht abtöten.
Frau Dr. Zebedin-Brandl untersuchte im Folgenden in vivo
den sogenannten „Netto-Effekt“ der beiden Phänomene. Was passiert in vivo, wenn
die PI3K-delta sowohl in den leukämischen Zellen als auch in den NK-Zellen
gehemmt ist? Sie verwendete für diese Frage transgene Mausmodelle und
Transplantationsstudien und zeigte, dass sich Leukämien mit der gleichen
Latenzzeit wie in Kontrollen entwickeln, wenn die PI3K-delta in den
Leukämiezellen und in den NK-Zellen fehlt. Die blockierende Wirkung auf die
Leukämiezellen wird durch den hemmenden Effekt auf die NK-Zellen völlig
aufgehoben. Abschließend zeigte Dr. Zebedin-Brandl, dass PI3K-delta defiziente
Mäuse höchst anfällig für verschiedenste Leukämieformen sind. Diese Befunde sind
von hoher klinischer Relevanz und müssen bei einem zukünftigen Einsatz von
PI3K-delta-Inhibitoren am Patienten bedacht werden.
Wissenschaftliches
Umfeld
Ihre Forschungstätigkeit startete sie 2002 als wissenschaftliche
Mitarbeiterin im Rahmen eines FWF-Projekts bei Univ.-Prof. Dr. KH. Hilber am
Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Zentrum für Biomolekulare Medizin,
MUW. 2004 begann sie ebenda ihre Ausbildung zum Facharzt für Pharmakologie und
Toxikologie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. M. Freissmuth). Im November 2007
promovierte sie als eine der ersten Studentinnen im neuen Doktoratsstudium (PhD)
mit Auszeichnung (PhD-Thesis: „Natriumkanalplastizität im transformierenden
Skelettmuskel“). Seit 2004 arbeitet Frau Dr. Zebedin-Brandl in der Arbeitsgruppe
„Hämato-Onkologie“ bei Univ.-Prof. Dr. V. Sexl. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit
liegt auf PI3-Kinase-Signalwegen in lymphoiden Zellen. Frau Dr. Zebedin-Brandl
verfügt über ein breitgefächertes Methodenspektrum (von Elektrophysiologie mit
Einzelzellen bis zu Transplantationsstudien an genetisch modifizierten Mäusen)
[1-10] und hat bereits umfangreiche Erfahrungen bei Lehr- und Vortragstätigkeit
im neuen und alten Medizincurriculum gesammelt. Im Rahmen der Facharztausbildung
gehört derzeit neben ihrer Forschungstätigkeit auch die Evaluation von
Medikamenten zur Aufnahme in den Erstattungskodex im Hauptverband der
Sozialversicherungsträger zu ihren Aufgaben.
Persönliches
Eva
Zebedin-Brandl wurde 1976 in Klagenfurt geboren, maturierte 1995 mit
Auszeichnung im BG-BRG Villach und beendete das Studium der Humanmedizin in Wien
2001. Doktoratsstudium an der MUW (2002-2007), PhD, im Programm „zelluläre
Signaltransduktion“, mit dem Dissertationsthema: „Natriumkanalplastizität im
transformierenden Skelettmuskel“. Wissenschaftliche Mitarbeit 2002-2004 bei
einem FWF-Projekt (“Functional properties of sodium channels in fast and slow
skeletal muscle”) am Institut für Pharmakologie. Seit Jänner 2004 Ausbildung zur
Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie am Institut für Pharmakologie und
Toxikologie, Wien. Mitarbeit an der Ausarbeitung der Lehrziele im
Unterrichtsfach „Grundzüge der Arzneimittellehre“ im Auftrag des
Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen im Rahmen des Projekts
„Curricula MTD“.
Ausgewählte
Literatur
1.
Zebedin E, Sandtner W, Galler S, Szendroedi J, Just H, Todt H, Hilber KH. Fiber
type conversion alters inactivation of voltage-dependent sodium currents in
mouse C2C12 skeletal muscle cells. Am J Physiol-Cell Physiol, 287: C270-C280,
2004.
2. Sandtner
W, Szendroedi J, Zarrabi T, Zebedin E, Hilber K, Glaaser I, Fozzard HA, Dudley
SC, Todt H. Lidocaine: a foot in the door of the inner vestibule prevents
ultra-slow inactivation of a voltage-gated sodium channel. Mol Pharmacol,
66:648-657,
2004.
3. Hilber K,
Sandtner W, Zarrabi T, Zebedin E, Kudlacek O, Fozzard H, Todt H. Selectivity
filter residues contribute unequally to pore stabilization in voltage-gated
sodium channels. Biochemistry, 44: 13874-82,
2005.
4. Zebedin E,
Mille M, Speiser M, Zarrabi T, Sandtner W, Latzenhofer B, Todt H, Hilber K.
C2C12 skeletal muscle cells adopt cardiac-like sodium current properties in a
cardiac cell environment. Am J Physiol Heart Circ Physiol, 292:H439-50,
2007.
5. Ott RG,
Simma O, Kollmann K, Weisz E, Zebedin EM, Schorpp-Kistner M, Heller G, Zochbauer
S, Wagner EF, Freissmuth M, Sexl V. JunB is a gatekeeper for B-lymphoid
leukemia. Oncogene, 26 (33):4863-71,
2007.
6. Zebedin E,
Koenig X, Radenkovic M, Pankevych H, Todt H, Freissmuth M, Hilber K. Effects of
duramycin on cardiac voltage-gated ion channels. Naunyn Schmiedebergs Arch
Pharmacol, 377 (1):87-100,
2008.
7. Zebedin E,
Freissmuth M, Sexl V. Signal interception-based therapies – a double-edged sword
in Bcr/abl-induced malignancies? Leuk Lymphoma, 49 (4):620-4,
2008.
8. Zebedin E,
Simma O, Schuster C, Putz EM, Fajmann S, Warsch W, Eckelhart E, Stoiber D, Weisz
E, Schmid JA, Pickl WF, Baumgartner C, Valent P, Piekorz RP, Freissmuth M, Sexl
V. Leukemic challenge unmasks a requirement for PI3Kδ in NK-cell-mediated tumor
surveillance. Blood, 112 (12):4655-64,
2008.
9. Mille M,
Koenig X, Zebedin E, Uhrin P, Cervenka R, Todt H, Hilber K. Sodium current
properties of primary skeletal myocytes and cardiomyocytes derived from
different mouse strains. Pflugers Arch, 2008.
10.
Simma O, Zebedin E, Neugebauer N, Schellack C, Pilz A, Chang-Rodriguez S,
Lingnau K, Weisz E, Putz EM, Pickl W, Felzmann T, Mueller M, Decker T, Sexl V,
Stoiber D. Identification of an indispensable role for Tyk2 in CTL-mediated
tumor surveillance. Cancer Res, 69 (1):203-11,
2009.
Kontakt
Dr. Eva-Maria Zebedin-Brandl PhD
Institut
für Pharmakologie
Zentrum für Biomolekulare Medizin und
Pharmakologie
A-1090 Wien, Währingerstraße 13A
Phone: +43 1 4277
64117
Fax: +43 1 4277 9641
Mail: eva-maria.zebedin@meduniwien.ac.at
Die Medizinische Universität Wien ist mit ihren rund 15.000 Angehörigen (knapp 11.000 Studierende, mehr als 2.800 Akademiker, rund 2.100 weitere Universitätsbedienstete) eine der größten medizinisch-wissenschaft- lichen Einrichtungen in Europa. Um hervorragende Forschungsleistungen der MUW bekannt zu machen, startete das Rektorat der MUW im Juni 2004 das Programm "MUW-Researcher of the Month". Im Monatsrhythmus kürt eine unabhängige ExpertInnenkommission die Forscherin oder den Forscher des Monats für ihre / seine herausragende Forschungstätigkeit.
Im Rahmen dieser Initiative wird monatlich ein Mitglied der Medizinischen Universität Wien, das einen rezenten, herausragenden Erfolg seiner Forschungstätigkeit verzeichnen kann, an prominenter Stelle des MUW-Webportals mit Portrait-Photo und ausführlichen Hintergrundinformationen unter dem Titel "MUW-Researcher of the Month" präsentiert und darüber hinaus auch medial bekannt gemacht.
Was ist das Ziel des Programms?
Nominierungen zur Wahl des "MUW-Researcher of the Month":
Für die Nominierung sind einzureichen:
Bitte senden Sie diese Unterlagen mittels E-mail an das Büro des Rektors, z.Hd. Frau Helene Semelliker (Adresse siehe unten). Die Nominierung behält für ein Jahr ab der Einreichung Gültigkeit.
Wie erfolgt die Auswahl der Nominierungen?
Durch eine unabhängige Jury aus emeritierten Professoren/innen der MUW. Dies sind zur Zeit:
Über die eingereichten Nominierungen wird abgestimmt und mehrheitlich entschieden. Dem/der Ausgezeichneten werden/wird im Rahmen einer akademischen Feier eine Ehrenurkunde als "MUW-Researcher of the Month" durch den Rektor überreicht.
Für Nominierungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
|
Büro des Rektors |