Mitteilungsblatt der Stadt Villach
  Nr. XVII / 1987 - Seite 426 Mitteilungsblatt der Stadt Villach  

Zur Verleihung des Paracelsusring 1987 an
Univ.-Prof. Dr. Paul Watzlawick -
Psychotherapeut und Bestsellerautor

Am 24. September um 18 Uhr wird im Rathaus Villach dem weltbekannten Bestsellerautor Paul Watzlawick die höchste wissenschaftliche Auszeichnung seiner Geburtsstadt Villach, der Paracelsusring, verliehen.

Der in Kalifornien lebende und an der berühmten Stanford-University in Palo Alto lehrende Univ.-Prof. Dr. Paul Watzlawick wurde 1921 in Villach geboren und verbrachte hier Kindheit und Jugend. Er ist nicht nur als Bestsellerautor von Sachbüchern einem Millionenpublikum in aller Welt bekannt, sondern auch hochgeschätzter Psychotherapeut und Kommunikationswissenschafter. Paul Watzlawick ist ein Mann von humaner und universeller Geistigkeit, wie sie dem Bild der Paracelsustradition entspricht: Als Psychotherapeut ein Heiler der Menschen, als Universitätsprofessor ein Lehrender. Die vordergründigen Parallelen im Lebenslauf mit dem von Hohenheim fordern zum Vergleich heraus. Und daß Paul Watzlawick am C.-G.-Jung-Institut in Zürich studierte, kann noch einmal als Anknüpfungspunkt zu Paracelsus gesehen werden - jedenfalls nach Interpretation von Dr. Erwin Jaeckle, Zürich (Paracelsusringverleihung 1985), in der er eine Verbindung von den Naturgeistern in den Schriften von Paracelsus zu "Archetypus und kollektivem Unbewußten" bei Jung spannte.

Die Entscheidung des Paracelsus-Kuratoriums, in dem nicht nur die wesentlichsten kulturellen Institutionen des Landes und der Stadt Villach, sondern auch alle Paracelsusringträger vertreten sind, scheint voll begründet. So konnte am 4. September der Villacher Gemeinderat statutengemäß die Verleihung dieser höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung der Stadt Villach an Univ.-Prof. Dr. Paul Watzlawick beschließen. Es ist schwer, der vielseitigen Persönlichkeit des Kosmopoliten Watzlawick gerecht zu werden. Er studierte in Venedig Philosophie und moderne Sprachen. Nach Abschluß dieser Studien wurde der junge Doktor phil. am Jung-Institut zum Psychotherapeuten ausgebildet und betrieb anschließend eine eigene Therapie-Praxis. Im Jahr 1957 folgte er zunächst dem Ruf an die Universität von El Salvador, aber schon 1960 holte ihn der berühmte Psychotherapeut Don D. Jackson nach Palo Alto (Kalifornien), wo Prof. Watzlawick bis zum heutigen Tag am Mental Research Institute tätig ist. Seit 1976 lehrt er an der Stanford University, die zu den zehn großen der rund 1.600 akademischen Ausbildungsstätten in den USA zählt.

Seinen großen Bekanntheitsgrad in einer intelligenten Leserschichte rund um die Welt verdankt Watzlawick aber seinen mit viel Witz, sprachlicher Wendigkeit, kluger Lebensphilosophie und profunden psychologischen Kenntnissen geschriebenen Büchern, die wiederholt auf den Bestsellerlisten standen. Erstmals in Erscheinung trat Watzlawick im Jahre 1969 mit der Arbeit "Menschliche Kommunikation", einem Werk, in dem er gemeinsam mit Don D. Jackson jene Grundmuster der Kommunikations-Strategien aufdeckte, die den verwickelten und zumeist vertrackten zwischenmenschlichen Beziehungen zugrunde liegen. Dann folgten die Sachbücher "Lösungen" (1974), "Wie wirklich ist die Wirklichkeit" (1976), "Die Möglichkeit des Anders-Seins" (1977), "Anleitung zum Unglücklich-Sein" (1983) und als letztes bei uns verbreitetes Buch "Vom Schlechten des Guten" (1986).

Prof. Watzlawick schreibt seine Bücher sowohl in seiner Muttersprache Deutsch als auch in Englisch. "Derzeit habe ich kein neues Buch auf dem Programm", verriet er dem Mitteilungsblatt. Obwohl ihm höchste wissenschaftliche Anerkennung in aller Welt zuteil wurde, freut sich Prof. Watzlawick über die Ehrung durch seine Geburtsstadt und nimmt diese gerne an, wie er in einem Telegramm an den Bürgermeister der Stadt Villach bestätigte. In der Draustadt lebt noch eine Schwester von Paul Watzlawick, die er häufig besucht.

Eine treffende Skizze der Persönlichkeit Prof. Watzlawicks stammt aus der Feder von "Spiegel"-Redakteur Harald Wieser: "Der in Kalifornien lebende Österreicher Paul Watzlawick ist eine Quadratur des Kreises: Obwohl er seine Dollars als leibhaftiger Professor verdient, riskiert er in seinen Büchern eine Feder, deren Verständlichkeit und Eleganz an akademisches Harakiri grenzt. Obwohl seine ganze Vorliebe dem komplizierten Austüfteln von Kommunikationstheorien gilt, tritt er, verschiedener Zunge mächtig, gern als amüsante Plaudertasche vor sein Auditorium: in Rom so souverän wie in London, in Madrid nicht weniger charmant als in Paris."

So gesehen darf man auch mit großem Interesse seinem "Auftritt" am 24. September in Villach entgegensehen.


VILLACH 17/1987,   © Magistrat Villach,   HTML-Transposition: Strobl Hans