Kronenzeitung, Sonntag, 15.3.1998, Seite 18
Wahr ist vielmehr ....
- daß die Computer in den Schulen sehr intensiv für Internet-Recherchen genutzt werden, wenn eine Internet-Anbindung der Schüler-Stationen zur Verfügung steht. Das läßt sich mit Nutzungsprotokollen eindeutig beweisen;
- daß die Schulen seit langem vergeblich darauf warten, daß die Schulbehörde die nötigen Voraussetzungen dafür schafft, daß endlich alle Computer über einen Internet-Zugang verfügen;
- daß die sogenannte "flächendeckende Versorgung" seitens der Unterrichtsministeriums so ausschaut, daß mit einem Provider ein Werbevertrag abgeschlossen wurde, mit dem die Providergebühr für einen Einzelanschluß für eine Nutzung unter 20 Stunden pro Woche erlassen wird; der Wert beträgt 250 öS pro Monat. Die Gebühr eines kommerziellen Providers, den eine Schule für eine Versorgung von Netzwerk-Stationen im nötigen Umfang bezahlen müßte, beträgt hingegen monatlich mindestens 5.000 Schilling;
- daß mit einem einzelnen Internet-Zugang keine Ausbildung von Schülern durchgeführt werden kann; er reicht nicht einmal für die Vorbereitung einzelner Lehrer;
- daß zwar jeder der 200.000 Studenten in Österreich über einen kostenlosen Internet-Zugang inklusive eMail verfügt, wofür die Steuerzahler angeblich 60 Millionen Schilling bezahlen, daß aber für die Höheren Schulen für keinen passenden Internet-Anschluß für den Unterricht gesorgt ist;
- daß man im Unterrichtsministerium offensichtlich glaubt, mit der Installation von Internet-Knoten in den Landeshauptstädten seine Schuldigkeit getan zu haben, obwohl sich keine der davon etwas weiter entfernten Schulen die Leitungsgebühr leisten kann;
- daß man im Unterrichtsministerium noch in keiner Weise für die Bereitstellung der nötigen personellen Ressourcen gesorgt hat. Man scheint dort zu glauben, daß sich Computer, einmal angeschafft, selbst bedienen, und ist nicht in der Lage, auf die neuen personellen Erfordernisse, die z.B. durch die Betreuung der Computer-Netzwerke in den Schulen entstanden sind, adäquat zu reagieren;
- daß die Fortbildung der Lehrer stark behindert ist. Allein an unserer Schule, z.B., haben sich im Feber 62 (!) Lehrer für die Internet-Ausbildung gemeldet. Dafür wären 5 Kurse zu je 12 = 60 Stunden nötig. Das Pädagogische Institut, das für diese Fortbildung zuständig ist, hat aber nur 20 Stunden bereitgestellt;
- daß an einigen Schulen Informatik-Kustoden verzweifelt versuchten, das Versäumnis der Schulbehörde auszugleichen und den Schülern zur nötigen Ausbildung zu verhelfen, indem sie in ihrer Freizeit mit immensem Zeitaufwand eine kostengünstige Internet-Anbindung für alle Schüler-Stationen hergestellt haben;
- daß insbesondere diese Lehrer auf einen solchen Zeitungsbericht nur mit belustigtem Kopfschütteln oder mit Zorn reagieren können.
Prof. Mag. Hans Strobl,
Informatik-Kustos am Gymnasium Villach-Peraustraße