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Comenius: Orbis sensualium pictus
"Die Welt in Bildern"

Aus dem ersten bebilderten Schulbuch in Europa (1658)


Einleitung.
Lehrer: Komm her, Knabe, lerne klug seyn.
Schüler: Was ist das: klug seyn?
Lehrer: Alles, was nöthig ist, recht verstehen, recht thun, recht ausreden.
Schüler: Wer wird mir das lehren?
Lehrer: Ich, mit GOTT.
Schüler: Auf was Weise?
Lehrer: Ich will dich führen durch alle Dinge: ich will dir zeigen alles; ich will dir benennen alles.
Schüler: Siehe! hie bin ich! führe mich im Namen GOTTes.
Lehrer: Vor allen Dingen must du lernen die einfachen Stimmen, aus welchen bestehet: die menschliche Rede, welche die Thiere wissen abzubilden und deine Zunge weiß nachzumachen, und deine Hand kann mahlen. Danach wollen wir gehen in die Welt, und wollen beschauen alle Dinge.

  Die Schul.
Die Schul ist eine Werckstatt, in welcher die jungen Gemüther zur Tugend angewehnet werden; sie wird abgetheilt in Classen.
Der Schulmeister sitzt auf dem Lehrstuhl; die Schüler auf Bäncken; jener lehret, diese lernen.
Etliches wird ihnen vorgeschrieben mit der Kreide an der Tafel.
Etliche sitzen am Tische und schreiben: Er verbessert die Fehler.
Etliche stehen und sagen her, was sie gelernet.
Etliche schwätzen, und erzeigen sich muthwillig und unfleißig: die werden gezüchtiget mit dem Stecken und der Ruthe.


Quelle: A. Comenius, orbis pictus. Herausgegeben von Dr. Theodor Tupetz, k.k. Landesschulinspector.
Wien. F. Tempsky. 1896. Bibliothek des K.K. Obergymnasiums in Villach. Im Bestand der Schulbibliothek.