PERAUGYMNASIUM VILLACH ARCHIV • SCHULHOMEPAGE 1997 - 2014
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Redewettbewerb 1997/1998

Die in Aufregung und Nervosität versetzten Rednerinnen und Redner des 46. Landesredewettbewerbs konnten auch heuer wieder mit ihren Leistungen zufrieden sein. Nach der Vorausscheidung im Klagenfurter Konzerthaus, an welcher 4 Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Perau teilgenommen hatten, fand am 17. April der Hauptwettbewerb im Rahmen der Freizeitmesse statt. Nach einer Reihe interessanter Vorträge, kam es zu einem spannenden Vergleichskampf unter den Finalisten.

Die Vertreter unserer Schule konnten sich dabei hervorragend gegen die anderen Bewerber behaupten.

Die Entscheidung fiel zu Gunsten von Lisa Kronawetter (6.C), die mit ihrem Vortrag "Sind Blonde wirklich dum?" den diesjährigen Landesredewettbewerb der AHS gewann und somit Kärnten beim Bundeswettbewerb vertrat. Den 3. Platz belegte Stefan Konad mit dem Thema "Darf ich bitte einmal denken".


SIND BLONDE WIRKLICH "DUM" ?

"Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen" singt Graf Danilo in der "Lustigen Witwe". Ich selbst, wie Sie sehen können, bin ja dunkelhaarig. Deshalb bedurfte es einiger eingehender Studien zu diesem Thema.

Dabei traf ich auf ein Zitat einer Redakteurin der Frauenzeitschrift Elle: "Im Herzen sind wir alle Blondinen".
Also versuchte ich, in mich zu gehen und meine blonde Seite in mir zu finden. Generell gibt es doch Unterschiede zwischen blond und braun. Blondinen sind nämlich blöd! So das Urteil unserer derzeitigen Gesellschaft. Anscheinend ist an diesem Gerücht auch etwas Wahres dran, denn im September vorigen Jahres trafen sich hunderte Blondinen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz am Millstättersee, um sich der Wahl der Blondine des Jahres zu stellen.

Doch ist auch alles echt was blond? Laut Prognose der Weltgesundheitsorganisation wird es in hundert Jahren keine echten Blondinen mehr geben. Schuld daran ist die genetische Vererbung, da sich das Gen, das für helles Haupthaar verantwortlich ist, sich in drei von vier Fällen nicht gegen "dunkle" Gene durchsetzen kann. Dies ist der Grund dafür, dass der Anteil der echtblonden Weltbevölkerung in den vergangenen 50 Jahren von 40 auf 14% abgenommen hat. Spätestens im Jahr 2100 soll, so die dunkle Prognose, demnach das letzte naturblonde Kind in Mitteleuropa geboren werden.

Ist dann die Welt von Dummheit befreit oder wird man automatisch geistig minder bemittelt, wenn man sich zum Bleichen seiner Haare entschließt?

Und wie sieht es bei Männern aus?
Blonde Männer scheinen von diesem Vorurteil ausgenommen. Oder hat einer von Ihnen schon einen Blondenwitz gehört? NEIN? Würde mich auch sehr wundern!

Aber Ihnen fallen bestimmt zahllose Blondinenwitze ein!
Wie zum Beispiel: Eine Blondine und eine Schwarzhaarige springen aus dem 10. Stock eines Hochhauses. Welche prallt zuerst am Boden auf? Die Schwarzhaarige, da die Blondine noch nach dem Weg fragen muss .... Möchten Sie eine Blondine sein?

Und doch greifen immer mehr, vor allem sehr viele Vertreter der männlichen Bevölkerung zur Wasserstoffflasche. Schlagzeilen wie "Helle Köpfe - der Frisurentrend 97" - waren überall zu lesen. Seit den großen Tagen der "Monroe" standen Blondköpfe nicht mehr so im Mittelpunkt wie heute. Industrie und Frisörgewerbe machen Umsatzsteigerungen mit optischen Aufhellern. Wem der Weg zum Hairstylisten zu mühsam oder zu teuer ist, der kann auf die unzähligen Produkte in heimischen Drogerieläden zurückgreifen. Statistisch gesehen taten dies auch viele Österreicherinnen und Österreicher. Der Verkauf von Aufhellern und Blondierungen für den Heimgebrauch schnalzte in die Höhe - plus 20% gegenüber dem Vorjahr. Das Motto lautet: "Do it yourself!"
"Blondköpfe" sind der Trend der Saison, auch wenn das aufs dunkle Haar gepappte Blond ein wenig blöd aussieht.

Für Österreich war sicherlich der Sänger Reinhardt Fendrich mit seinem Song "Blond" maßgebend für die Verbreitung dieses Booms. Er setzte allen hellen Köpfen ein musikalisches Denkmal. Dank Wasserstoff selbst erblondet, könnte man ihn sogar fast als "Trendsetter" bezeichnen.
Ihm folgten heimische Größen wie der kürzlich verstorbene Falco, alias Hans Hölzel, oder die Fernsehsprecherin Marie-Christine Giuliani.
Obwohl Blondinen ein derart schlechtes Image haben, ist blond zur Zeit absolut en vogue.

Doch das beliebte Wortspiel mit Blond und Blöd bleibt immer noch bestehen. Woher kommt eigentlich dieses schlechte Image?
Von schwarzhaarigen Machos, die von Blondinen sitzengelassen worden sind oder von Männern, dem sogenannten "stärkeren Geschlecht", die dem Charme, dem Aussehen und der Ausstrahlung blonder Frauen nicht gewachsen sind?

Meiner Meinung nach ist es dem Neid der etwas dunkleren Damenwelt zuzuschreiben.
Denn mythologisch gesehen: Engel, Meerjungfrauen, Göttinnen, Krimhild im Nibelungenlied, sie alle waren Blondinen. Von jeher verkörpert eine blonde Frau Reinheit und Unschuld, eigentlich ein krasser Unterschied zur Interpretation unserer Zeit.

Oder schlagen wir ein wenig erfreuliches Kapitel unserer Geschichte auf. Die Zeit des Hitler-Regimes.
Selbst dunkelhaarig, man beachte, kreierte er das Bild der Germanin bzw. des Germanen groß, Blond! und blauäugig. Eigene Zuchtanstalten sollten das Reich "blondieren". Hitler wollte damit ein Bild des Übermenschen schaffen: weiß, rein und unschuldig - der perfekte Mensch.

Hier beende ich meine Reise ins Herz der Blondinen, ohne Ihnen eine Antwort gegeben zu haben. Sind Blondinen wirklich dumm?
Ich weiß es nicht, ich will Ihnen nur noch soviel sagen:

Beispiele unserer Geschichte zeigen uns, dass Menschen auf Grund ihrer Haarfarbe diskriminiert und sogar umgebracht wurden. Hierbei denke ich an die "Hexenverbrennung" von Rothaarigen im Mittelalter. Gibt uns die Vergangenheit nicht die Möglichkeit zu lernen und uns nicht von Vorurteilen und Verallgemeinerungen beeinflussen bzw. manipulieren zu lassen? Wir sind doch in erster Linie alle Menschen, egal welcher Haut- oder Haarfarbe.
Wenn ich behaupte, alle Schwarzen sind faul und böse, würden Sie mich sofort einen Rassisten nennen. Selbst das Wort "Neger" wäre in der Öffentlichkeit ausgesprochen eine rassistische Bemerkung.
Doch keiner wird sich daran stoßen, wenn man ein "na typisch blond" von sich gibt.

Ob blond, ob braun, ich liebe alle Menschen. Übrigens, ich bin noch immer nicht blond, wer sagt aber, dass nicht auch ich, die ich dunkelhaarig bin, Fehler machen kann.

Lisa Kronawetter, 6.C

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