PERAUGYMNASIUM VILLACH ARCHIV • SCHULHOMEPAGE 1997 - 2014
Redewettbewerb 1996

Ein spannendes "Kopf-an-Kopf-Reden" prägte die Endrunde des diesjährigen Landes-Rede-Wettbewerbs am 19. Mai in der Klagenfurter Messehalle. Die drei besten Rednerlnnen der Vorausscheidung, darunter Barbara Frank und Thomas Kröll, Schüler unseres Gymnasiums, erhielten von der Jury gleich viele Punkte. Erst nach einem zweiten Durchgang (die BewerberInnen mußten ad hoc den wesentlichen Teil ihrer Rede wiederholen) stand die Reihenfolge fest, wobei Thomas Kröll vom BG und BRG Perau Villach mit seiner Rede "Ein starkes Stück" den ersten Platz erringen konnte.

Eva Burian


Ein starkes Stück

Dicker, sagen mir die Leute, rufen Pummerl mich und Blader. Sieh dich mal an, Fettsack, angefressener, du fettes Schwein. Schwammige Schande nennens' mich, Schampusflasche. Hefeteig, aufgedunsener, muß ich hören, als Wurschtfinger werde ich abgestempelt. "Roll weiter, Straßenwalze! Verschwind, fettes Pleampl" schrei'ns mich an! Hau ab, Ozonlochfüller! Sieh dich doch mal an!

Oh mein Gott! Es stimmt! Ich muß mir einen größeren Spiegel kaufen! In meinem kann ich mich ja nicht einmal vollständig begutachten! Naja, soviel Gutes gibt's da ja auch wirklich nicht zu sehen! Alles Bauch, ich bin ein fetter Schlauch! Oberschenkel reibt an Oberschenkel, ich bring die Beine nicht mehr zusammen, oh, vom Bewegen habe ich zu schwitzen begonnen! Kein Atem, keine Kondition welch Hohn! Orangenhaut (leider nicht zum Auspressen) soweit das Auge reicht (zum Glück bin ich kurzsichtig), die Brust einer Schwangeren (ich bin bestimmt nicht schwanger) ein multi-mega Doppelkinn (so ein Doppelkinn hatte nicht einmal Helmut Qualtinger). Nur Fressen hast' im Schädel, sonst nichts!

Spieglein, Spieglein an der Wand, warum trag' ich am meisten Kilos im Gewand? Sag' an, sag' an, warum ich nicht mehr laufen kann!

Mein liebes Kind, so glaube mir, es ist schwer es Dir zu sagen, doch einer muß es schließlich wagen, um Dich und die Welt von enormer Last zu befreien! Du sollst doch nicht Kurt Krenn zum Vorbild haben! Du bist zu schwer, Du bist zu dick, Du bist zu fett! Du ißt zuviel, deswegen bist Du z'viel! Würdest du aufhören, alles zu verdrücken einfach alles Eßbare nur hinunterzuschlingen, dann könntest Du wieder laufen, tanzen, springen! Laß es gut sein mit dem Fressen, Du bist davon besessen!"

Schweren Bauches keuchte ich ins Bad, um meine Feindin, die Personenwaage zu konsultieren, die sich in einer dunklen Ecke verbarg. Es war ein wirkliches Spektakel, der Zeiger begann zu rotieren wie der Propeller eines Flugzeuges, die Waage sträubte sich gegen die enorme Last, es war zu spät. Die Waage, die gute, hatte als eine von vielen - endlos ist die Zahl derer, die die Mülltonne verschlang - endgültig zu Tode malträtiert, den Geist aufgegeben. Gepreßt, gequetscht, zerbröselt. Endlich war es mir klar, ich mußte etwas gegen mein mörderisches Gewicht tun!

Hunderte, nein Tausende, von Männern und Frauen sind Opfer einer solchen Freßlust, sodaß sie nie die Finger von Eßbarem lassen können. Allem, was ihnen unter die Augen kommt, wird in wenigen Sekunden der Garaus gemacht, die Hauptaufgabe besorgt der Magen. Anstatt nur dreimal täglich eine Mahlzeit einzunehmen, wird rund um die Uhr gefuttert: von der Aufstehhilfe , die die herbe Stunde des unbeliebten Aufstehens versüßt, über das Frühstück und die halbstündigen Köstlichkeiten zum ausführlichen Mittag- und Abendessen, bis zum Betthupferl und dem Mitternachtsimbiß. In diesem Fall ist das Essen keine Notwendigkeit zum Überleben, sondern entweder eine Beschäftigung, um sich in langweiligen Stunden die Zeit zu vertreiben, oder ein reiner Selbstzweck.

Natürlich gab es schon im alten Rom und im düsteren Mittelalter genügend Subjekte, die sich voll und ganz der lukullischen Lebensweise ergaben und infolge dieser Völlerei nahezu geplatzt wären, während die plebs humilis und der niedrige Bauernpöbel hungern mußten. Doch heute ist die Zahl der an Fettleibigkeit und an Fettsucht leidenden Menschen sehr hoch. (Ich spreche nur von Personen, die sich diese gewaltige Körperfülle selbst durch uneingeschränktes Essen angeeignet haben und nicht über solche, bei denen es auf erbliche Veranlagung zurückzuführen ist.) Ihr Leben ist eine Gratwanderung, sie sind nur wenige Schritte von Herzverfettung und dem drohenden Herzinfarkt entfernt. In schwindlige Höhen schnellt der Cholesterinspiegel, Knochen und Gelenke werden überlastet und überbeansprucht.

Kneifen Sie in Ihre Taille! Prüfen Sie den Bauch! Wenn Sie Ihre Rippen nicht mehr spüren, sind Sie eindeutig zu dick! Keine Stangenkonfektion paßt mehr! Nichts geht mehr mit Gucci, Chanel und Co. Wenn also Ihre Proportionen nicht mehr im Einklang sind, das heißt, wenn sich massenhafte Umfänge an Oberarmen und Oberschenkeln gebildet haben, Fettpolster Ihren ansonst gertenschlanken Körper okkupiert haben und Sie die gute alte Zellulitis plagt, dann haben Sie eindeutig Gewichtsprobleme!

Also, wenn Hungerkuren und Turnen nicht die gewünsche Wirkung erzielen, dann kommen Sie doch - wenn Sie es noch können - in das nächstgelegene Figurella-Studio! Es heißt ja: Die Figurella- International-Studios ebnen Frauen mit Figurproblem in ganz Europa den Weg zu attraktiven Proportionen. Hören Sie doch, es wird geebnet! Wie die Inseln in Japan! Sie kennen doch diese Werbegags: Zwei Bilder zeigen die Resultate einer solchen Behandlung, die die Kilos von 165 kg auf 49,5 kg purzeln ließ und darüber hinaus noch zu einem völig neuen Körperbewußtsein verhalf. (Bitte, natürlich kann immer die Echtheit dieser Fotos notariell beglaubigt nachgewiesen werden!)

Was, kein Gramm verloren und noch dazu soviel Geld ausgegeben? Kleben Sie Ihre Fettpolster doch einfach ab! Ja, richtig, mit dem neuen "Schlank-Pflaster", welchem viele bekannte Film- und TV-Stars ihre attraktive Figur ohne Fettpolster und Zellulitis verdanken. Einfach aufkleben, und die "bioaktiven Substanzen" mit ihren Fokus-Meeresalgen-Wirkstoffen dringen in Ihren Körper ein, wo sie die Fettzellen dann exekutieren. Und wenn Sie es so fort bestellen, gehen Sie kein Risiko ein und Sie haben 10 Tage Rückgaberecht, sollten Sie in diesem Zeitraum nicht 20% Ihres jetzigen Körpergewichtes verlieren!

Sie tun mir wirklich leid, noch immer kein Gewichtsverlust. Des Rätsels Lösung: Fasten Sie sich slim! Mit Slim-Fast, den fruchtig-coolen Drinks, mit denen Sie in drei Tagen drei Pfunde verlieren. In drei verschiedenen Geschmacksrichtungen wird das Abnehmen zum Vergnügen!

Sollte dieses Mittel auch nicht funktionieren, können Sie sich Ihr überschüssiges Fett ja auf einer der zahlreichen Beauty-Farmen einfach absaugen lassen. Denn Bauknecht weiß, was Frauen wünschen und dann gilt "Miele - Verläßlichkeit für viele Jahre" .

Was, das hat alles nichts gebracht? Noch immer kein Gewichtsverlust?

Wie wäre es denn, wenn Sie einmal einen Gymnastikkurs besuchen würden und Ihr Fett einfach abarbeiten? Sich so richtig in Form schwitzen und so Ihre Bewegungsfähigkeit erhöhen? Oder, noch besser, essen Sie einfach weniger! Hören Sie damit auf, alles in sich hineinzuschlingen, was Sie sehen! Geben Sie die Gewohnheit auf, jede Nacht dreimal zum Kühlschrank zu schleichen! Es wird Ihnen sicher gut tun. Was heißt gut tun? Sie werden sich dann auch vielleicht besser fühlen. Und ich bin sicher, daß Sie dann von jeglichen Beschwerden verschont bleiben.

Doch, auch wenn Sie nur dreimal täglich zu Messer und Gabel greifen, lassen Sie sich diese Mahlzeit nicht verderben, weder durch irgendwelche Unkenrufe noch durch Anstößigkeiten bei Tisch. Denn sicher hat Archimedes, der zerstreute griechische Mathematiker, auch einmal gemeint: Störe meine Speise nicht!"

© Thomas Kröll




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