Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Villach-Peraustraße
Redewettbewerb 1995

Am 30. März 1995 fand die schulinterne Ausscheidung für den Landeswettbewerb statt. Die diesjährigen RednerInnen überraschten durch ihr hohes inhaltliches Niveau und ihre sprachliche Kompetenz, was nicht zuletzt auch dem Engagement ihrer Deutschlehrerlnnen und dem Rhetorikkurs von Frau Mag. Karner zu verdanken ist. So gelang es unseren Kandidatlnnen, die ersten fünf Plätze im Landesbewerb zu erringen: Corinna Kofler, Robert Marhan, Philipp Imhof, Lea Friessner, Stefan Posratschnig. Corinna Kofler, deren Rede vor allem durch die recht eigenwillige Vortragsweise beeindruckte, vertrat Kärnten beim Bundeswettbewerb in Krems.

Eva Burian



"Ich bin anders als die anderen - na und?"
 

Also sprach Daniil Charms:
Führt mich mit verbundenen Augen.
Ich gehe nicht mit verbundenen Augen.
Haltet mich nicht an den Armen.
Ich will den Armen Freiheit schenken.
Geht auseinander, dumme Zuschauer.
Widersprecht mir nicht - Ihr werdet es bereuen.
Eßt Suppe - das ist euer Beruf.
Fegt eure Stuben - das ist euch seit alters auferlegt.
Ich ernähre mich von Salz, ihr euch von Zucker.

Wer sich vor mir fürchtet, möge bitte den Raum verlassen. Corinna möchte niemandem gezwungenermaßen Angst einjagen.

Mut bedeutet, zu sich selbst zu stehen.

Man kann einen Menschen kaum nach dem beurteilen, was er sagt; sein Verhalten erklärt ihn besser als tausend Worte.

Was weißt du von mir?

NICHTS.

Jugendliche werden bevorzugt zu Einheitsbrei verkocht:
Mann bzw. Frau nehme einen schwabbeligen Liter Vermutung, welchem zuvor einige Brocken ungezügelter Neugierde beigemengt worden sind. Dieses ürze der Koch mit dem schmackhaftnötigen Vorurteil, das durch keinerlei Grenzen eingeschränkt werden sollte. Schließlich serviere er sein "Schmankerl" mehreren hungrigen Mäulern, welche, sofern das Mahl gemundet hat, die Kunde von dessen einwandfreier Qualität zweifelsohne gerne durchs Land getragen werden.

Wer "normal" ist, ist nicht Mensch, sondern Klischee.

Ich bin Yogi.
Ich bin sensibel.
Ich bin süchtig nach Stings Musik.
Ich erlaube mir zu denken.
Ich bin anders als die anderen, na und?
Haßt mich, küßt mich deswegen.
Ich fürchte euch nicht mehr.
Was du nicht verstehen kannst, willst du krampfhaft in Logik messen.
Ich will aus meiner Rolle fallen und euch ein Spielverderber sein.
Vielfalt verleiht der Welt die Energie, keineswegs Monotonie.
Beschränkt euch nicht auf den Schein.
Jacques Lemans Multi-Chronographen, Stefanel Contemporary Jeans und Basic Shirts verwirren nur.

Woher komme ich?
Warum stehe ich hier?
Was sehe ich?
Wo bin ich?

Ihr sitzt da und schweigt.
Der Großteil von euch verbringt sein Leben damit, so zu sein, wie ihr sein wollt, wie es die Allgemeinheit vorschreibt, anstatt sich selbst zu verwirklichen.
Dein Verhalten vereinfältigt sich, es wird vorhersagbar und du verlierst deine Fähigkeit, das Leben frei und aus voller Kraft zu bewältigen.
Ist die Beliebtheit wichtiger als Individualität?
Wie lange willst du dich noch betrügen?
Das Bewußtsein sollte dich eigentlich vom Tier unterscheiden.
Der Schritt aus der Herde kostet Kraft und endet dort, wo meine Freiheit beginnt.
Recht ist keine Selbstverständlichkeit.
Wer nicht so sein will, wie er ist, verfehlt seine Persönlichkeitsreifung.
Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Man darf sich nicht an den Weisheiten anderer Leute festklammern und wären es Christus oder Buddha.

Je mehr Menschen sich selbst emanzipieren und entfalten, umso größer wird ihr Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft, und umso freier, gelöster und gesünder könnten wir in Zukunft leben.

                                                      
Schuljahr 1994/95                                               
1. Semester                                                     
Schulnachricht für Corinna Kofler                               
Geboren am 22. Februar 1979                                     
Schülerin der 6.C-Klasse der Schulform Realgymnasium            
Schülerstammblatt-Nr. 10                                        

	Religion ....................... Sehr gut 
	Deutsch ............................. Gut	
	Englisch ....................... Genügend
	Latein ..................... Befriedigend
	Geschichte / Sozialkunde ...... Sehr  gut 
	Geographie / Wirtschaftkunde ... Sehr gut
	Mathematik ..................... Genügend
	Physik .............................. Gut 
	Musikerziehung .....................  Gut   
	Biologie / Umweltkunde ......... Genügend
	Bildnerische Erziehung ........ Sehr  gut
	Leibeserziehung ................ Sehr gut 
	Italienisch .................... Genügend 

Wenn ich eine Maschine wäre, würde ich Vorzugsschülerin sein. Ich will mich nicht anpassen.
Wenn ich auf der Stelle einschliefe, würde ich zu Boden fallen. Ich könnte mir dabei das Genick brechen. Wenn ich könnte, würde ich aussteigen. Der Omnibus fährt mir zu rasant.

Wenn ihr Toleranz zeigtet, würde ich nicht gehen.

Ich will nicht auf Godot warten.

© Corinna Kofler

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