20   Kärntner Tageszeitung

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Mittwoch, 18. März 1998

Der Abschied vom Schilling
2002 soll in Österreich der Euro den Schilling ablösen. Diese neue EU-Währung avanciert nach Expertenmeinung zur wichtigsten Währung der Welt. Der Countdown hat bereits begonnen.

SCHÜLER MACHEN ZEITUNG VILLACH. "Der EURO ist ein Friedenszeichen. Durch die gemeinsame Zahlungseinheit werden die Staaten in Europa zu einer großen Einheit zusammenwachsen", erkärt Bürgermeister Helmut Manzenreiter.
Im Mai 1998 entscheidet der Europäische Rat, welche Länder man in die gemeinsame Währungsunion aufnimmt. Dazu müssen die Länder die Konvergenzkriterien erfüllen. Gesunde Staatsfinanzen, stabile Preise und Wechselkurse sowie niedrige Zinsen werden zusammen mit der unabhängigen Zentralbank (Sitz in Frankfurt), die Stabilität der zukünftigen europäischen Währung sicher stellen. Ist dieser Schritt geschafft, soll 1999 der offizielle Wechselkurs festgesetzt werden.

Alte werden geschmolzen

Für 2002 ist die Umstellung geplant. Der Euro ist dann das endgültige Zahlungsmittel in Europa - die alten Münzen werden eingeschmolzen und wiederverwertet.

Viele Österreicher sind aber skeptisch gegenüber einer neuen Währung. "Ein großes Problem ist, daß viele Leute einfach zu wenig informiert sind und sich nicht für die Vor- und Nachteile interessieren. Informationsmaterial liegt in allen Banken auf und als verantwortungsbewußter Staatsbürger müßte man sich einfach damit auseinandersetzen", sagt Villachs Bürgermeister.
"Besonders den älteren Menschen wird der Abschied vom Schilling jedoch schwerfallen. Einerseits ist der Wechselkurs hoch (13,85 Schilling) und andererseits haben sie bereits eine Währungsumstellung hinter sich", erklären Bankexperten. "Die Angst finanzielles Guthaben zu verlieren besteht genausowenig zu Recht, wie der Irrglaube, daß Arbeitsplätze verloren gehen könnten", betonen die Spezialisten weiters. Die Umstellung der Kassen und der Preise in den Geschäften wird zwar viel Geld kosten, doch das muß ebenso wie die Umschulungskosten für Angestellte in Kauf genommen werden, um Jobs zu sichern.

Gegengewicht

"Die Parkscheinautomaten wechselt die Stadt Villach aus, die Kosten für die Bankautomaten tragen die jeweiligen Geldinstitute" erklärt Manzenreiter. Finanzexperten sind sicher, daß sich Europa mit dem Euro einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft sichert, als."brauchbares Gegengewicht" zu Dollar und Yen. "Der Euro wird große Vorteile bringen", erklärt Rudolf Binggl, Lederwarenhändler in Villach. "Zölle, Wechselkosten für die Im- und Exportindustrie fallen weg und auch die Börse kann von einer einheitlichen Währung profitieren. In fünf bis zehn Jahren hat sich der Euro etabliert", ist Binggl vom Erfolg der Währungsunion überzeugt.




Derzeit ist ein Euro zirka 13,83 Schilling wert. 100 Schilling sind demnach 7,23 Euro. Der endgültige Umrechnungskurs wird erst mit Jahreswechsel 1998/99 festgelegt
Der Einkaufszettel stellt die Preise einiger Dinge des täglichen Bedarfs gegenüber.


IM PROFIL

Die neuen EU-Geldscheine entwarf der Wiener Grafiker Robert Kalina. Foto: epa
Fenster als Zukunfts-Symbole

Robert Kalina arbeitet seit 22 Jahren in der Österreichischen Nationalbank. Bisher kommen nur Österreiche Banknoten aus seiner "Design-Werk- statt". Vom Hunderter bis zum Fünftausender tragen die Scheine Kalinas Handschrift.

Bald wird's "Kalina-Scheine" in ganz Europa geben, denn die Entwürfe des Wieners gefielen der Jury des Designer-Wettbewerbes für die Euro-Banknoten am besten.

Thema des Bewerbes, der im Februar 1996 ausgeschrieben wurde, war "Brücken und Zeitalter in Europa". Fenster und Türen auf den Vordersei- ten, Brücken auf den Rückseiten der Banknoten-Entwürfe von Robert Kalina überzeugten die Fachjury.

Auf Darstellung nationaler Monumente habe er verzichtet, um kein EU-Mitgliedsland zu bevorzugen. Fenster - der Blick in die Zukunft, das erschien ihm einprägsamer, sagt Kalina.


Kurioses?
Millionen fehlen zum Millionär

Schwere Zeiten kommen auf alle Millionäre und Spieler zu. Wie werden wohl ab dem Jahr 2002 Lotto und Totospiel ausschauen?

Und, wird das Millionenrad dann in "Euro-Rad" umbenannt?

Nach dem derzeitigen Umrechnungskurs gäbe es für eine Million Schilling derzeit etwas mehr als 72.300 Euro. Das klingt längst nicht so toll, wie "eine Million".

Millionäre dürfen sich dann jedoch nicht einfach Euronäre nennen, mit einer Mille sind sie davon nämlich ~och millionenweit entfernt.
Wahrscheinlich werden Gewinnspiele kaum mehr mit Millionenpreisen winken können. Eine Euro-Million wird immerhin mehr als 13,6 Millionen Schilling wert sein.

Kinder erhalten im Durchschnitt ungefähr 21 Euro Taschengeld/ Monat.


Countdown
"Stundenplan" fürs neue Geld

1990 bis 1993 wurde der Binnenmarkt vollendet und der Kapitalverkehr liberalisiert.

Seit l. l. 1994 hat man das Europäische Wlhrungsinstitut (EWI) errichtet. EWI, ECOFIN, EU-Kommission, Europäischer Rat, Europäisches Parlamt und nationale Parlamente bereiten sich auf die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) vor.

Am 2. 5. 1998 muß über teilnehmende Länder entschieden werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) etablieren sich.

Ab 1. l. 1999 beginnt die EZB mit einer einheitlichen "Euro"-politik. Umrechnungskurse werden festgelegt, Infrastrukturen geändert.
Ab 1. l. 2002 werden Euro-Banknoten und -Münzen ausgegeben, die bisherigen Währungen gelten jedoch noch bis l. 7. 2002.


AKTUELLE TAGESFRAGE

Das "neue" Geld kann ruhig kommen

Die meisten der Befragten haben sich über den Euro "noch keine Gedanken gemacht". Vor der Umstellung auf die neue Währung fürchtet sich dennoch niemand. Viele sind der Meinung, daß die Wirtschaft durch das "gemeinsame Geld" angekurbelt wird.
Florian Rovere, Schüler: "Ich finde schon, daß ich durch den Unterricht in der Schule sehr gut über den Euro informiert wurde. Meiner Meinung nach wird durch die einheitliche Währung die Wirtschaftskraft gestärkt. Der Weehselkurs beträgt derzeit zirka 13 Schilling. Ich glaub', mit dem Euro wird's super." Silvia Pointer, Ethnologin: "Ich glaube, der Wirtschaft in Kärnten wird der Euro nicht viel bringen. Österreich hingegen, wird davon sicher profitieren. Vor der Umstellung habe ich eigentlich keine Angst. Ich weiß aber nicht, ob sich eine Einheitswährung überhaupt als sinnvoll erweisen wird und vermisse mehr Informationen."
Manfred Bader, Verkaufsleiter: "Ich habe überhaupt keine Angst vor einer Währungsumstellung. Für den Tourismus wird das sicher von Vorteil sein, weil das Umwechseln wegfällt. Eigentlich kann ich mich als Euro-Befürworter bezeichnen. Ich glaub, das ist eine stabile Währung. Ich bin darüber auch ganz gut informiert." Marianne Wernitznig, Angestellte: "Meiner Meinung nach wird der Euro eine stabile Währung sein, da er mit dem Dollar vergleichbar ist. Die Umstellung wird mich nicht stören. In ein paar Monaten haben wir uns sicher alle an das Umrechnen gewöhnt. Es hat auch Vorteile, für's Ausland nicht mehr wechseln zu müssen."


Die Schüler der 4C des Perau-Gymnasiums in Villach haben sich Gedanken über das tägliche Leben mit dem Euro gemacht.
Fotos: Schüler mit Unterstützung von Monika Z.
25 Redakteure, Layouter, Fotografen

Die Schüler der 4C des Perau- Gymnasiums in Villach:

Philipp Baumann, Kathrin Fischer, Alexandra Frattnig, Christoph Gasparin, Julia Grünwald, Nicole Hohenwarter, Elisabeth Katholnig, Lukas Lederer, Sophia Millonigg, Alexander Milz, Corinna Petritsch, Julia Plieschnig, Michael Schwaiger, Martin Sereinig, Annelies Smoliner, Daniela Spitzer, Eva Stadtschreiber, Susanne Stroitz, Katrin Thoma, Raphaela Timmerer, Birgit Vouk, Georg Willenig, Philipp Wimmer, Daniel Wuttema, Lukas Zeichen.

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