16   Kärntner Tageszeitung

  KULTUR  
Dienstag, 24. März 1998

Als es Österreich nicht mehr gab

Die 6D-Klasse des Villacher Perau-Gymnasiums und der Verein "Erinnern" dokumentieren mit der gestern im Rathaus eröffneten Ausstellung die nationalsozialistischen Jahre in Villach.

VILLACH. Der März 1938 zählt zu den einschneidendsten Daten der österreichischen Geschichte in unserem Jahrhundert. Der Verein "Erinnern", die 6D-Klasse des Villacher Perau-Gymnasiums und einige Lehrkräfte haben den März '38 zum Anlaß genommen, eine Ausstellung mit Fakten und Forschungsergebnissen im Villacher Rathaus zu präsentieren.
Der Sinto Karl T. und die Arierin Mathilde P. wurden 1941 gemeinsam mit ihren Kindern deportiert und ermordet.
"Meine Generation ist in der Tradition der Verdrängung aufgewachsen. In der Schule wurde das Thema nahezu nicht behandelt, zu Hause totgeschwiegen", informierte Mag. Hans Haider, Professor am Perau-Gymnasium, über die Beweggründe der Ausstellung.

Vertreibung

Auf 11 Tafeln werden die Vertreibung der Sinti, Lagerhaft, Aufmärsche, Zeitungsausschnitte, der Judenpogrom vom 9. November 1938 in Schrift und Bild dokumentiert. Dazu führten Schüler und Lehrer Interviews mit Zeitzeugen, die die Grausamkeiten des NS-Regimes erschreckend deutlich wieder aufleben lassen.
"Da ist eine Eiche gestanden, sie steht heute noch. Da haben sie ein Faßl darunter gestellt und dann das Faßl einfach weggeschupft", beschreibt eine Zeugin die Exekution eines polnischen Zwangsarbeiters.
Auch die Sinti, sie lebten seit mehreren Generationen in Villach und Umgebung, verschwanden kurz nach dem Anschluß. "Von den Zigeunern haben wir immer ein Stückerl Brot bekommen, wir sind zusammen in die Schule gegangen. Was haben wir geplärrt, als sie die abgeholt haben."
Einer der Zigeuner hatte mit einer Villacherin zwei Kinder. Sie ging mit ihrem Mann mit. Drei Wochen später kam die lapidare Nachricht: "An Typhus verstorben."
Bis heute gibt es in Villach keine Publikationen, keine Gedenkstätte, die die Erinnerung an die Sintis aufbewahrt. Die informative und sehenswerte Ausstellung ist bis 3. April geöffnet.

um

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HTML-Transposition von Mag. Strobl Hans, Gymnasium Villach-Peraustraße

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