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PERAUGYMNASIUM VILLACH ARCHIV • SCHULHOMEPAGE 1997 - 2014
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Drogen an unserer Schule?
Eine Umfrage im Rahmen des WHO-Projektes "Gesunde Schule" 1994/95

Im Spätherbst 1994 traten die Schülerinnen und Schüler des evangelischen Religionsunterrichtes der 8. Klassen an mich mit dem Vorschlag heran, im Rahmen des Schulprojektes "Gesunde Schule" eine Projektarbeit über das Thema "Drogen an unserer Schule" durchzuführen. Ich habe diesem Vorschlag zugestimmt, und ab Dezember wurde dann in diesem Sinne gearbeitet.

Die erste Phase war bestimmt durch Lektüre, Sammeln von Informationen und Gesamtplanung. Die Schülerinnen und Schüler sammelten selbständig eine Menge von Material aus der Schulbibliothek, aus Zeitschriften und Medienpaketen. Nach Abwägung dessen, was man tun könnte und was auch realistischerweise geleistet werden kann, einigten wir uns darauf, vier Schwerpunkte zu bilden:

1. Eine Umfrage über "Drogen" an unserer Schule samt Auswertung durchzuführen,
2. Plakate zur Information aller Schüler zu gestalten,
3. einen Theaterbesuch zum Thema für Schüler der 7. und 8. Klassen zu organisieren, und
4. die Plakate und die Ergebnisse der Umfrage in einer Ausstellung zu präsentieren.

Die Gruppe teilte sich in zwei Arbeitsgruppen: die Plakatgruppe und die Umfragegruppe. In der zweiten Phase arbeiteten die Gruppen weitgehend selbständig. Alle 14 Tage fand eine Gesamtbesprechung statt. Die Plakatgruppe verfertigte 6 Plakate. Die Umfragegruppe erstellte nach langen Diskussionen, aber leider ohne Beiziehung eines Fachmannes, den Fragebogen, führte im Jänner 1995 die Befragung an allen Oberstufenklassen durch, war dann wochenlang damit beschäftigt, die Befragungsergebnisse in den Computer einzugeben. Das dauerte vor allem deshalb so lange, weil das Kalkulationsprogramm, das wir verwenden wollten, nur an einem einzigen Rechner unserer Schule installiert ist. So konnten während der Religionsstunden jeweils nur zwei Schüler an diesem Gerät arbeiten.

Die dritte Phase, in der die Auswertung der Umfrageergebnisse statffinden sollte, habe ich zum großen Teil selbst übernehmen müssen. Dafür gab es mehrere Gründe:

1. Leider war die Unterstützung durch die EDV-Kollegen gering,
2. fand sich kein Schüler, der mit Excel Erfahrungen hatte,
3. forderten Schularbeiten und Maturavorbereitung großen Einsatz der Schüler, und
4. wollte ich das gesammelte wertvolle Datenmaterial nicht unbearbeitet lassen.

Immerhin haben sich die Schüler dann wieder bei der Interpretation der Auswertungsergebnisse beteiligt. Zuletzt übernahmen die Schüler die Gestaltung der Ausstellung in der Aula.

Meine Erfahrungen mit diesem Projekt:

Es ist günstig, mit reiferen Schülern an eine solche Arbeit heranzugehen, aber es ist ungünstig, solch ein umfangreiches Projekt mit einer Maturaklasse durchzuführen. Die Ausstattung der Schule mit praxisnaher Software ist mangelhaft. Die Bereitschaft von Schülern, ihre Freizeit für schulische Aktivitäten zu opfern, ist gering, die Versuchung, sich vor der Arbeit zu drücken, ist selbst bei 18jährigen recht groß. Die Zusammenarbeit mit Kollegen müßte intensiviert und die Einbeziehung von Experten und Eltern in die Projektarbeit müßte von Anfang an geplant werden.

Das Ergebnis der Umfrage in Kürze:

Von 382 Schülerinnen und Schülern, die die Oberstufe unserer Schule besuchen, haben 339 einen Fragebogen ausgefüllt. Aufgrund der relativ kleinen Menge von befragten Schülerinnen und Schülern sind die Ergebnisse für unsere Schule repräsentativ, aber nicht generell aussagekräftig.

In unserer Schule ist fast jede Schülerin und jeder Schüler schon einmal über Drogen informiert worden. Jedoch sind nur 2 Drittel der Befragten auch der Meinung, daß diese Information ausreichend war, während rund 1 Drittel glaubt, daß man diese Information verbessern müßte. Drogenaufklärung wird hauptsächlich in der Schule und in Zeitschriften betrieben. Dort entscheidet sich auch, in welcher Weise die Information von den Schülerinnen und Schülern aufgenommen wird: Entweder wird die Neugierde geweckt oder die Aufklärung dient zur Abschreckung. In der Schule sind die Fächer, in denen über Drogen informiert wird, vor allem Deutsch, die Fremdsprachen, Biologie und Religion.

16 % der Befragten wissen offenbar, daß an unserer Schule mit Drogen gehandelt wird. Eigentlich kann es niemand geben, der mit Sicherheit ausschließen könnte, daß es geschieht.

51 % aller befragten Jugendlichen wissen, wo sie Drogen herbekommen würden. Erschreckend sind die 35 % der 14jährigen, die schon in ihrem Alter so gut Bescheid wissen. Es ist auffallend, daß Jugendliche mit ansteigendem Alter eher wissen, wo sie Drogen herbekommen würden. Gründe dafür könnten sein: öfteres Ausgehen und dadurch mehr Erfahrung; man lernt mehr Leute kennen; der Druck der "peer group" wird stärker.

6% der Befragten geben an, schon einmal Drogen gekauft zu haben, wobei die zustimmenden Antworten im Vergleich zur Zahl der Schüler gleichen Alters bei den 16- und 17jährigen ihren Höchstwert erreichen. Die Abnahme der Drogenkäufer mit 18 Jahren oder mehr deutet möglicherweise auf ein Generationsproblem der 16- und 17jährigen hin.

70 % der befragten Schüler und Schülerinnen halten eine Freigabe von Drogen für nicht wünschenswert, nur 24% sind gegenteiliger Meinung. Ein Drittel der Schüler gesteht, sie würden aus Neugierde zu Drogen greifen. Fast 60% würden niemals Drogen nehmen. Die Altersstaffel zeigt, daß im 15. Lebensjahr die Zahl der Freigabebefürworter bis 26 % ansteigt, und von den 18jährigen 32% eine Drogenlegalisierung befürworten. Die Neugierde, Drogen zu konsumieren, steigt von 50 % bei den 14jährigen linear auf 94% bei den 18jährigen Freigabebefürwortern an.

76% der Schüler, die schon einmal Drogen genommen haben, befürworten eine Freigabe. Von denen, die noch nie Drogen konsumiert haben, sind es nur 19%.

Über die Hälfte der befragten Schüler kennen jemanden, der gelegentlich Drogen nimmt, immerhin noch mehr als ein Viertel der Schüler kennen einen regelmäßigen Drogenkonsumenten.

Der Großteil der Schülerinnen und Schüler behauptet, noch nie Drogen genommen zu haben. Erschreckend ist, daß es über 10 % doch schon getan haben.

Neugierde ist der Hauptgrund für den Drogenkonsum.

Es ist unverständlich, warum von den 34 Schülern, die schon Drogen probiert haben, 27 dennoch meinen, die Information über Drogen sei ausreichend gewesen. Hat diese Information denn nicht den Sinn, Drogenkonsum zu verhindern?

Die Chance, selbst zum Drogenkonsum verleitet zu werden, ist mit 17,6 % bei denen erheblich größer, die jemanden kennen, der gelegentlich Drogen nimmt. Solche Jugendliche, die in Kreisen verkehren, in denen keine Drogen gebraucht werden, geraten nur mit 1,4 % in diese Gefahr.

Die Chance, selbst Drogenkonsument zu werden, ist mit 25% bei jenen Jugendlichen erheblich größer, die jemanden kennen, der regelmäßig Drogen konsumiert. Die Jugendlichen, die in Kreisen verkehren, in denen es keine regelmäßigen Drogenkonsumenten gibt, stehen nur mit 4% in der Gefahr, selbst Drogen zu probieren.

Die Auswertung der Drogenumfrage liegt in Form einer Broschüre auf und kann jederzeit eingesehen werden.

Prof. Mag. Johannes Spitzer



Nachtrag

Die "Kleine Zeitung" hat am 5.12.1999 über eine Sitzung des Villacher Gemeinderates berichtet, in der aus dem oben genannten Bericht voreilige Schlüsse gezogen wurden. Um in Zukunft Mißverständnissen vorzubeugen, sehe ich mich veranlaßt, die folgende Klarstellung meinem Bericht anzufügen:

Klarstellung

Ich erinnere mich, daß die Gruppe, die den Fragebogen erstellte, nicht bereit war, auf meine Ratschläge hin ihren Entwurf zu korrigieren bzw. mit einem Fachmann auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung durchzusprechen. Insbesondere waren die Schüler nicht bereit, Kontrollfragen einzubauen (Argument: "Warum sollte jemand unwahre Angaben machen, wenn der Fragebogen anonym ist?") und manche Fragen präziser zu formulieren.

Wenn schon
  1. aufgrund ungenauer Fragestellung und
  2. der Unsicherheit, wie weit die Schülerantworten der Wahrheit entsprechen,
  3. die erhobenen Werte keine Präzision beanspruchen können,
  4. aufgrund der geringen Zahl der Befragten keine Repräsentativität gegeben ist,
  5. die Interpretation der Umfragewerte von Schülern vorgenommen wurde, ...
... bin ich davon überzeugt, daß insgesamt die erhobenen Zahlen und vorgenommenen Interpretationen in weiten Bereichen des Projektergebnisses leider keine verläßlichen Schlüsse zulassen.
Ein Hinweis darauf ergibt sich aus der Tatsache, daß ich auf meine Zusendung des Projektberichtes und der Daten an das Österreichische Institut für Jugendforschung (10.2.1997) mit der Bitte um Beurteilung "wie aussagekräftig die von mir erhobenen Daten sind, und ob die aus den Daten gezogenen Schlüsse zulässig sind oder nicht" bis heute keine Antwort erhalten habe.

Das Ergebnis ist sicherlich aufgrund der Methodenschwäche recht unprofessionell geraten. Es kann nicht geleugnet werden, daß es sich eben um eine Schülerarbeit handelt, und nicht um ein wissenschaftlich abgesichertes Werk von Experten.

Ziel des WHO-Projektes "Gesunde Schule" und in dessen Rahmen auch des Teilprojektes "Umfrage über 'Illegale Drogen an unserer Schule?'" war jedenfalls Prävention. Und - so schwer das zu beurteilen ist - hat möglicherweise auch die Umfrage und die vielbeachtete Präsentation der Ergebnisse in der Aula unserer Schule zum Erreichen dieses Zieles beigetragen. Es war jedenfalls in den letzten Jahren - anders als an anderen Schulen - kein Schüler des Perau-Gymnasiums in eine sicherheitsbehördliche Ermittlung im Zusammenhang mit illegalem Drogengebrauch bzw. Drogenhandel verwickelt.

FI Prof. Mag. Johannes Spitzer 12 / 99  




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